Aspekte des realen Kapitalmarkts

Ob Menschen, die größere Risiken scheuen, das Ausmaß des möglichen Verlustes überschätzen oder befürchteten, dass sie das Vertrauen des sozialen Umfelds in ihre Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit verlieren, wenn der Verlust eintritt, oder ob sie nur dessen Eintrittswahrscheinlichkeit überschätzen, mag dahin gestellt bleiben. Oft spielen dabei auch andere Urängste mit. Die Angst vor dem Verlust wiegt dann höher als die Freude über den Gewinn bei Eintreten der Chance. Da sie auf dem Kapitalmarkt keine Risikoprämie aus Ausgleich für Risikoübernahme erhalten können, werden sie ihr Geld in (in ihren Augen) sichere Kapitalanlage investieren und in Spareinlagen, Sparbriefe oder festverzinsliche Wertpapiere anlegen.

Diese kann der Kapitalmarkt zur Verfügung stellen. wenn er es schafft, diesen Anlegern glaubwürdig die entsprechenden Produkte anzubieten. Dazu müssen die Anbieter Methoden und Strategien verfolgen, die das Risiko minimieren. Die Bankenkrise 2008 hat gezeigt, dass dies nicht immer gelingt. In Zypern wurden der Staat und Privatanleger .herangezogen, um die von Banken eingegangen Risiken aufzufangen..

Am Kapitalmarkt spielen Steueraspekte eine große, manchmal überragende Rolle, insbesondere am internationalen Kapitalmarkt. Einige Zusammenhänge sind in der Staatsbürgersteuer 2. Konstruktionsfehler des heutigen Systems und auch - um plausible Veränderungen durch die Staatsbürgersteuer zu beleuchten - in 4.5 Kapitalmarkt und berechtigte Organisationen angedeutet. Speziell bei der möglichen Ausgestaltung der Anforderungen an Vermögen verwaltende, berechtigte Organisationen, BO, zeigt sich, dass ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge im heutigen Kapitalmarkt nötig ist. Vom Risikomanagement des heutigen Kapitalmarkts A wäre zu lernen, was getan werden soll, damit der Fiskus den BO im Kapitalmarkt B Regeln vorgeben kann, die diesen zu einem Markt höherer Güte und Transparenz machen. Eine - gleichwohl immer noch oberflächliche - Analyse wird hier versucht. Eine noch tiefere Durchdringung, insbesondere der eher dunklen Ecken der Kapitalmärkte, würde den hier gegebenen Rahmen sprengen.

  1. Finanzmärkte und deren Überwachung

  2. Objektive Investitionsrisiken und Vertrauen in Zusagen

  3. Wertpapiere: Börsen, Preise, Kurse

  4. Risikomanagement

  5. Makler im Kapitalmarkt

  6. Immobilienmärkte

  7. Zukünftige Entwicklung

nach oben Finanzmärkte und deren Überwachung

Wer eine Möglichkeit einer profitablen Investition hat, sucht Kapitalgeber, die ihm Kapital, dass sie im Moment nicht selbst verbrauchen wollen, überlassen. Dafür erwarten diese zukünftig bestimmte Gegenleistungen. Passende Partner findet er selten selbst, zumal dabei die dabei jeweils fälligen Steuern die Überlegungen komplizieren. Dafür nutzt er meist den weißen oder dem grauen Kapitalmarkt.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert den weißen Kapitalmarkt: Banken und Finanzdienstleister, Versicherungen und Pensionsfonds, Börsen und sonstige Wertpapier-Märkte, Kapitalanlagegesellschaften und Investmentfonds. Bei Banken gibt es z.B. Sparkassen, Volksbanken, Landesbanken, Großbanken, Privatbanken und andere Spezialbanken. Zum Kapitalmarkt gehören auch Teilmärkte, die nicht von der BaFin überwacht werden, z.B. kleinere Versicherungen auf regionaler Ebene, oder weniger marktgängige Teilhaberanteile z.B. GmbH- oder Kommandtistenanteile. Kapital wird auch in Immobilien angelegt. Zwar überwacht die BaFin nicht den Immobilienmarkt, aber sie überwacht auch Immobilienfonds und sonstiges Immobilien-Sondervermögen.

nach oben Objektive Investitionsrisiken und Vertrauen in Zusagen

Kapitalwertberechnungen helfen bei der Frage, ob investiert werden soll oder nicht. Deren Ergebnis hängt von der Finanzierung und der steuerlichen Verhältnissen des Investors ab. Dabei sind Annahmen über zukünftige Ein- und Auszahlungen notwendig, die so oder auch anders eintreten können, weil z.B. Zinsen, Mieten, notwendige Reparaturen, Restwerte, zukünftige sonstige Einkünfte und daraus resultierenden Einkommensteuersätze sich anders entwickeln als angenommen. Es gibt kaum Investitionen, bei denen sich alle notwendigen Daten mit Sicherheit prognostiziert lassen. Zu diesen Prognoserisiken treten weitere Risiken hinzu, die sich daraus ergeben, dass Kapitalanbieter und -nachfrager keine Automaten, sondern handelnde Personen sind. Diese agieren in einem Umfeld, dass sich ebenfalls verändert und ihr Verhalten beeinflusst. Dass sie in der Lage und bereit sind, die in den Annahmen zur Investition und Finanzierung gemachten Zusagen und Zahlungen auch zu leisten, ist unsicher und auch eine Frage in des Vertrauens zwischen den Akteuren. Damit ergeben sich weitere Risiken.

Hier soll unter Risiko vor allem die negative Abweichung von den Zusagen des Investors verstanden werden. Dies entspricht dem landläufigen Verständnis von Risiko. In den zuvor behandelten theoretischen Modellen war das Risiko stets mit der Standartabweichung σ identifiziert und gemessen worden. Ein größeres Risiko, wie hier verstanden, vergrößert die Standartabweichung σ einer Wahrscheinlichkeisverteilung, verringert aber auch deren Erwartungswert, μ.

Kapitalnachfrager brauchen Kapital (Geld oder andere Vermögensgegenstände), um eine Investition (oder auch einen Konsum) zu finanzieren. Sie selbst können (oder wollen) dies aus eigenem Kapital nicht finanzieren. Sie suchen Anleger, die bereit sind, ihnen das benötigte Kapital zu überlassen. Die Gegenleistung besteht im Versprechen des Kapitalnehmers, dem Anleger

Voraussetzung für die Kapitalüberlassung ist in erster Linie das Vertrauen des Anlegers, dass der Kapitalnehmer seine Versprechen halten kann. Je geringer dieses Vertrauen, desto riskanter die Kapitalanlage. Das Risiko des Anlegers besteht darin, dass Der Kapitalnehmer hat bei diesem Vertrag das Risiko, Manche Risiken spielen wegen gesetzlicher Normen, Rechtsprechung und/oder bei seriösem Auftreten des Vertragspartners kaum eine Rolle. Verstöße gegen vertraglichen Festlegungen werden nicht nur mit Sanktionen belegt, sondern bedeuten außerdem einen Bonitätsverlust und beschränken die Chancen, zukünftig als Vertragspartner weitere Finanzgeschäfte zu tätigen. Da dieser Bonitätsverlust insbesondere für Banken extrem kritisch ist, hatten diese das Image, besonders vertrauenswürdig zu sein. Auch Staaten hatten bisher dieses Image aus dem gleichen Grund, zumal sie (theoretisch) in der Lage sein sollten, ihren Verpflichtungen nachzukommen, weil sie dazu nur die Steuern erhöhen bräuchten.

Inzwischen ist dieser Vertrauen zumindest angekratzt und bei einigen Banken und Staaten nicht mehr gegeben. Es hat sich gezeigt, dass es notwendig ist, genauer hin zu sehen und zu differenzieren, wem man sein Geld anvertraut.

Der Gegenwert für die Kapitalanlage ist die Zusage des Kapitalnehmers, in Zukunft (mehr als)
das Kapital zurück zu zahlen, sei es als Zins und Tilgung, sei es als Teilhabe an Gewinn und Liquidationserlös oder in Form anderer Vorteile für den Kapitalgeber.
Vertrauen in Zusagen ist die Basis jeder Kapitalüberlassung,
Vertrauen sowohl in die Person als auch in das Investitionsobjekt.
Vertrauen kann durch Strafandrohungen und Verträge nur unzureichend ersetzt werden.

nach oben Wertpapiere: Börsen, Preise, Kurse

Seit jeher haben Ökonomen und Spekulanten versucht, Preisentwicklungen von Wertpapieren zu prognostizieren. Dies wäre ein schneller und müheloser Weg zu Ruhm und Reichtum. Die Tatsache, dass bis heute keine verlässliche Prognosemethode in Lehrbüchern oder sonst wo steht, ist ein Beweis der Random Walk Theorie. Preise von Wertpapieren und sonstigen Kapitalgütern (capital assets) sind demnach völlig zufallsbedingt. Wenn jeder Marktteilnehmer die gleichen Informationen hat und bei Verarbeitung dieser Informationen zu gleichen Wahrscheinlichkeitsaussagen für die möglichen zukünftigen Werte kommt, hat jeder die gleichen Erwartungen und Einschätzungen der Zukunft, und kann sich überlegen, ob und zu welchem Preis er das Wertpapier erwerben will.

Wenn neue Informationen auftauchen, können sich die Wahrscheinlichkeiten und damit die Einschätzungen ändern. Da im heutigen Preis bereits alle möglichen zukünftigen Informationen, deren Wirkungen und Eintrittswahrscheinlichkeiten einkalkuliert sind, bedeutet dies, dass Informationen, die den Kurs positiv beeinflussen, genau so wahrscheinlich sind wie solche, die ihn negativ verändern können. Wer Insider-Informationen hat, und Hinweise, wie die Kurse auf Veröffentlichung dieser Informationen reagieren werden, kann durch entsprechende Marktoperationen profitieren. Eine Spielart ist die Kursmanipulation durch Insider, die gezielt falsche Gerüchte in die Welt setzen, um von denjenigen, die darauf anspringen, Gewinne zu erhalten. Kapitalanlagen, bei denen Insider die Kurse manipulieren und davon profitieren können, sind volatiler und damit riskanter als als Kapitalanlagen, bei denen dies nicht oder nur schwer möglich ist.

An Börsen werden vertretbare (fungible) Sachen z.B. Wertpapiere, inzwischen weitgehend per Computer, nach bestimmten Regeln gehandelt. Für Staatsbürger, die Vermögen bilden oder verkaufen möchten, von besonderen Interesse sind die Wertpapierbörsen. Börsen, auf denen z.B. Waren, Rohstoffe, Devisen, Derivate, Emissionen oder Strom gehandelt werden, kommen dafür weniger in Frage. Weil sich an Börsen Käufer und Anbieter regelmäßig treffen und Geschäfte abschließen können, erfüllen Börsen wichtige Funktionen. Börsen schützen Geschäftspartner vor Manipulation und grobe Formen des Betrugs und reduzieren Transaktionskosten und -zeiten. Qualitätsmerkmale sind z.B.

An Aktienbörsen werden börsengängige Aktien gehandelt. Sie müssen von der Börsenaufsicht zum Handel zugelassen werden, erfüllen dadurch bestimmte Mindeststandards und garantieren so dem Aktionär gewisse Sicherheiten. Zwar kann keine vollkommene Information aller Marktteilnehmer über alle für die Beurteilung des Wertes dieser Aktien relevanten Fakten garantiert werden, weil viele Vorhaben des Managements z.B. zu Firmenkäufen oder Forschung und Entwicklung nur dann hohe Erträge versprechen, wenn die Konkurrenz davon keine Kenntnisse hat. Dieses Insiderwissen darf (theoretisch) jedoch nicht dazu führen, dass sich Insider an den Börsen bereichern, indem sie entsprechende Marktoperationen vornehmen. Trotz aller diesbezüglichen Vorschriften und Überwachungen ist unvermeidbar, dass Informationen durchsickern und/oder die Fantasie der Börsianer beschäftigen.

Bei Börsen für festverzinsliche Wertpapiere z.B. Obligationen oder Staatsanleihen sind die Risiken geringer. Deren Kurse schwanken zwar auch bei Änderungen des Zinsniveaus, bei Fremdwährungsanleihen bei Wechselkursänderungen oder wenn sich die Wahrscheinlichkeit der Zahlungsunfähigkeit des Kapitalnehmers (Konkurs) während der Laufzeit der Anleihe ändert. Die Möglichkeiten der Manipulation beschränken sich dann auf die Einschätzung der Konkurswahrscheinlichkeit und ggf. der Konkursquote.

Einige Banken handeln Kundenaufträge an Schattenbörsen (black pools), die nicht der Börsenaufsicht unterliegen. Sie orientieren sich dabei an den regulären Börsen, sparen so Transaktionskosten und bieten Kunden die Möglichkeit zu Umsätzen ohne Auswirkungen auf die Kurse. Dies erlaubt Insidern weitere Chancen, z.B. Aktiengeschäfte unbeobachtet zu tätigen oder Aktienkurse zu manipulieren.

Preise von Kapitalgütern ändern sich für Nicht-Insider völlig zufällig (Random Walk)
Börsenregeln sollen das Risiko der Manipulation (=Betrug) reduzieren

nach oben Risikomanagement

Chancen und Risiken sind untrennbar miteinander verbunden. Optimisten sehen eher die Chancen, Pessimisten fürchten eher die Risiken. Dies ist vor allem eine Frage der Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit und des Ausmaßes der erhofften oder befürchteten Ereignisse. Diese Einschätzungen werden in der Regel intuitiv vorgenommen. Dabei fließen Erfahrungen mit ähnlichen Situationen eine Rolle, aber auch Vorstellungen aus der Phantasie des Einschätzers. Diese Intuitionen müssen nicht falsch sein.

Wahrscheinlichkeiten und Ausmaß der erhofften oder befürchteten Ereignisse können durch Ereignisse und Maßnahmen beeinflusst werden. Maßnahmen oder Strategien zur Reduktion von Risiken werden hier als Risikomanagement bezeichnet - im Gegensatz zum Ertragsmanagement, das Gewinnchancen vergrößern soll. Aktionen, die sowohl die Risiken als auch die Gewinne beeinflussen, können nach ihrem Schwerpunkt zugeordnet werden. Der Abschluss einer Haftpflichtversicherung gehört zum Risikomanagement, weil sie vor allem das Risiko reduziert, auch wenn der Versicherungsbeitrag den gegenwärtigen und zukünftigen Gewinn schmälert.

Die meisten Menschen scheuen eher größere Risiken. Auch Unternehmer sind Menschen sind, die ähnliche Ängste und Einschätzungen haben wie Private. Sie haben jedoch die Möglichkeit und sogar die Pflicht, sich intensiver mit den Risiken zu beschäftigen und diese präziser einzuschätzen. Risikomanagement ist nach der Norm ISO 31000: 2009 eine Führungsaufgabe. So müssen Aktiengesellschaften zur frühzeitigen Erkennung von Risiken ein Überwachungssystem einrichten.

Genauere Kenntnis der Risiken erlaubt es, Maßnahmen zu ergreifen um diese Risiken zu reduzieren. Aktives Risikomanagement reduziert die Zeit, sich mit Möglichkeiten der Gewinnsteigerung zu beschäftigen. Wenn Risiken verringert werden, steigt ceteris paribus auch der erwartete Ertrag - oft ist es lohnender sich mit der Verringerung möglicher Verluste und/oder deren Wahrscheinlichkeiten zu befassen, als nach Chancen zu suchen, den Gewinn zu vergrößern, z.B. wenn bei intensivem Wettbewerb jede Aktion sofort von der Konkurrenz gekontert wird.

Für Banken und Versicherungen sind Strategien zur Senkung des Risikos existentiell. Anleger vertrauen einer Bank oder einer Versicherung nur dann ihr Kapital an, wenn sie glauben, dass sie ihr Kapital und die versprochenen Zugewinne (Zinsen, Gewinnanteile ...) in Zukunft so sicher wie möglich erhalten. Wird dieses Vertrauen enttäuscht, droht ein Run.

Die meisten Menschen scheuen eher größere Risiken.
Für Banken sind Strategien zur Senkung des Risikos existentiell.

Von den Instrumenten zu Risikoeinschätzung und Risikomanagement sollen hier nur einige skizziert werden.


nach oben Risikosenkung durch bessere Information


Informationsvorsprünge führen oft zu genaueren Einschätzungen der Wahrscheinlichkeiten. Diese werden als subjektive Wahrscheinlichkeiten bezeichnet, wenn sie auf Informationen und Einschätzungen beruhen, die nur dieses Subjekt besitzt. Kennt man diese Informationen und Einschätzungen, lassen sich die Wahrscheinlichkeiten aber auch - zumindest im Prinzip - objektiv, d.h. mathematisch errechnen.

Obwohl Banker und andere Kapitalmarktteilnehmer zunehmend mit mathematischen Modellen arbeiten, wird wohl kaum einer von ihnen Wahrscheinlichkeiten mathematisch ermitteln. Sie schätzen Wahrscheinlichkeiten eher intuitiv und/oder auf der Basis von vielen Erfahrungen. Das Kalkül zeigt aber, dass Wissensvorsprünge und unterschiedliche Informationen, z.B. über den Erwartungswert μ , unterschiedliche Einschätzungen bewirken können. Diese Wissensvorsprünge können genützt werden, sich z,B. von riskanten Engagements zu trennen oder Chancen zu ergreifen, und so zu günstigeren Kurse zu (ver-) kaufen bevor andere das gleiche Wissen erlangen und die Kurse sich dann entsprechend ändern. Insiderwissen ist somit wertvoll und eines der einfachsten Instrumente zur Senkung des Risikos. Zwar ist es Insidern verboten, Insiderwissen am Kapitalmarkt zu Geld zu machen - die Kontrolle dieses Verbots ist aber schwierig. Banken stehen regelmäßig unter Verdacht, dies absichtlich oder unabsichtlich, selbst oder über Dritte, doch zu tun.

Auf OTC-Märkten ist es kaum möglich zu kontrollieren, ob Insiderwissen zu Profitzwecken genutzt wird. Hier bieten sich insbesondere Investmentbanken viele Chancen, gutgläubige Kunden abzuzocken.

Ziel der Wissenschaft ist es, Zusammenhänge zu erforschen, die bei vorliegen bestimmter Bedingungen Prognosen über das Eintreten bestimmter Effekte erlauben. Je kleiner der Prognosefehler, desto höher die Aussagequalität. Auch hier eröffnen sich Wege, Wissen auch ohne Rückgriff auf Insiderwissen profitabel zu nutzen und/oder Risiken zu senken. Als Beispiel seien hier die Programme zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit von Personen genannt, die u.a. mit Daten wie Wohngegend, familiärer Situation usw. versuchen, die individuelle Kreditwürdigkeit einzuschätzen.

Frühwarnsysteme und Informationsvorsprünge helfen, Risiken zu vermeiden
Mit Insiderwissen können Risiken am besten eingeschätzt und reduziert werden.

nach oben Senkung der Einzelrisiken

Die beste Risikoprävention sind Informationsvorsprünge und die Möglichkeit schnell zu handeln.
Damit erhöhen sich die Risiken für die nicht so schnellen Dümmeren

nach oben Risikosenkung durch Diversifikation


Eine Regel aus dem 19. Jahrhundert empfiehlt, bei langfristigen Vermögensanlagen jeweils ein Drittel des Vermögens in Geldvermögen /z.B. Obligationen oder Sparanlagen, Staatsanleihen) ein weiteres Drittel in Sach- und Produktivvermögen (z.B. Gold, Diamanten, Aktien, Kommandtisteneinlagen) und das letzte Drittel in Immobilien anzulegen, weil dann die Gefahr das alles verloren geht, deutlich reduziert bzw. praktisch auszuschließen ist. Diese Empfehlung hat sich seitdem in vielen Krisen bewährt.

Bei Devisentermingeschäften geht es oft um die Frage, wie ein exportierendes Unternehmen sich gegen mögliche Wechselkursänderungen absichern kann. Am interessantesten ist die Möglichkeit, einen Partner im entsprechenden Ausland zu finden, der mit seinen Exporten ins Inland (von hier aus gesehen: Importen) das gleiche Wechselkursrisiko hat. Wenn jetzt beide ein Devisentermingeschäft abschließen, kann jeder der Partner das Wechselkursrisiko auf Null absenken (Hedging), hier in dem besonderen Fall, dass die Risiken total negativ miteinander korreliert sind (Korrelationsfaktor = -1): Während ohne Hedging der eine gewinnt, was der andere verliert, gleichen sich mit Hedging die möglichen Gewinne und Verluste gerade aus.

Portfolio Theorie. Risiken können auch reduziert werden, wenn viele riskante Investitionen gebündelt werden, deren Ertragserwartungen untereinander schwach oder gar nicht korreliert sind. Unter dieser Annahme, dass viele Einzelrisiken kaum miteinander korrelieren, werden so aus dem Nichts durch Bündelung von Kapitalanlagen Portfolios kreiert, von denen die Anbieter behaupten, ihr Risiko sei so gering, dass sie praktisch völlig sichere Erträge versprechen.

Effizientes Portfolio Harry M. Markowitz erhielt 1990 den Nobelpreis für die mathematische Konstruktion solcher effizienter Portfolios, bei denen Capital Assets so geschickt zusammengestellt werden, dass es keine Portfolios höheren Ertrags und niedrigeren Risikos möglich sind. Nimmt man festverzinsliche Wertpapiere hinzu , wobei Kreditaufnahme als negative Anlage festverzinslicher Wertpapiere gilt, liegen alle effizienten Portfolios auf der Capital Asset Pricing Model-Kapitalmarktlinie, da sich andernfalls mangels Nachfrage oder wegen übergroßer Nachfrage die Preise der Capital Assets so verändern würden, dass sie auf schließlich dieser Kapitalmarktlinie liegen.

Geschicktes Zusammenstellung von Einzelanlagen erlaubt minimale Risiken. (Markowitz)

nach oben Der Leverage-Effekt


Mit Mischung aus Fremdkapital und Eigenkapital kann man sich auf der Kapitalmarktlinie bewegen und Risiko und Rendite auch (theoretisch beliebig) vergrößern. Die Rentabilität des Eigenkapitals lässt sich also - bei hoher Fremdkapitalquote drastisch - erhöhen, wenn man eine Investition (z.B eine Kapitalanlage) plant, deren Rendite über dem Fremdkapitalzinssatz liegt. Dadurch wird jedoch auch - entsprechend drastisch - das Risiko erhöht. Diese Möglichkeit bezeichnet man als Kredithebel oder als Leverage-Effekt:

Beispiel: Erwartet ein Investor z.B. bei einer Investition eine Rendite von 8%, so würde er 80 000 € verdienen, wenn er 1 Mio.€ Eigenkapital investiert. Leiht er sich auf dieses Eigenkapital 9 Mio.€ Fremdkapital zu einem Zins von 5% kann er 800 000 € verdienen und muss davon 450 000 € an die Fremdkapitalgeber abgeben. Netto verbleiben ihm also 350 000 €, bezogen auf das Eigenkapital von 1 Mio.€ eine Rendite von 35 %. Hat er Glück, und der Gewinn steigt auf 20 % ist die Eigenkapitalrendite höher (155 %). Wenn dagegen ein Verlust von z.B. 10% eintritt. behält er ohne Fremdkapital beim Einsatz von 1 Mio.€ noch 900 000 € übrig. Bei einem Fremdkapital von 9 Mio.€ ist nicht nur das Eigenkapital weg, sondern er sitzt noch auf den Forderungen der Fremdkapitalgeber von 450 000 €, seine Rendite ist dann - 45%. Hat er keine sonstigen Reserven, ist er pleite.

Hat der Investor eine Reserve von 90 000 €, bekommen die Fremdkapitalgeber statt 5 % zwar noch 1 % Zinsen und können ihr eingesetztes Kapital retten. In der Praxis kommt es aber meistens schlimmer. Droht dem Investor die Pleite, neigt er dazu, kurzfristig hohe Risiken einzugehen. Beispielsweise kann er die Reserve von 90 000 € in eine Wette investieren, die ihm mit 4% Wahrscheinlichkeit 1 800 000 € einbringt. Der Erwartungswert dieser Wette ist negativ (-18 000 €). Mit 96 % Wahrscheinlichkeit verliert er, riskiert aber eigentlich nichts, denn sein Eigenkapital und die Reserve ist sowieso futsch. Gewinnt er, kann er das Fremdkapital bedienen und sein Eigenkapital retten und sogar auf 1 350 000 € vermehren. Dass er sich dabei strafbar macht, ist ihm nicht nur schwer nachzuweisen und ihm wohl im Verlustfall auch egal. Bei Gewinn wird ihn keiner anzeigen.

Beim mit 96% Wahrscheinlichkeit eintretenden Verlust der Wette sind für die Fremdkapitalgeber auch die 1 % Zinsen perdu. Auch dies ist noch nicht der schlimmste Fall. Nimmt der Kreditnehmer auf seine 90 000 € Reserve noch einmal 910 000 € und verwettet diese in dieselbe Wette, hat er im Erfolgsfall 17,55 Mio.€. Mit 96 % Wahrscheinlichkeit bleibt er aber auf einer Verbindlichkeit von von 9,91 Mio.€ sitzen, denen Aktiva in Höhe von 9 Mio.€ gegenüberstehen. Kreditnehmer bekommen also lediglich 90 % des eingesetzten Kapitals, verlieren also nicht nur Zinsen, sondern auch eingesetztes Kapital. Konkursquoten liegen selten - wie in diesem Beispiel - bei 90%, sondern fast immer deutlich niedriger. Das bedeutet, dass einige Gläubiger die nicht so gut informiert sind zu spät kommen, es nicht schaffen, ihr Geld noch zu retten, bevor die Zahlungsunfähigkeit erklärt wird.


Das Beispiel zeigt: In der Praxis ist Fremdkapital oft nicht viel sicherer als Eigenkapital. Zum einen können Eigentümer, wenn sie merken, dass die Situation sich verschlechtert und sie Gefahr laufen in den Konkurs zu gehen, mit dem verbleibenden Vermögen und evtl. weiterem Kredit hoch riskante Investitionen eingehen, nach dem Motto: "geht's gut, sind die Gläubiger und ich gerettet, geht es schief, verliere ich kaum noch etwas, und die Zeche bezahlen die Gläubiger". Gut informierte Gläubiger werden den Braten riechen und zu retten versuchen, was noch zu retten ist. Die das nicht schaffen, gucken in die Röhre und werden mit den oft niedrigen Konkursquoten abgefunden.

Das Beispiel zeigt weiter, das der Kreditgeber, der - vielleicht dank einer intensiven Überwachung der Risiken - als erster ahnt, dass da etwas schiefläuft, seine Verluste begrenzen kann. Risikoscheue Anleger stellen dem Kapitalmarkt Kapital in Form von Fremdkapital zur Verfügung, da sie so glauben, eine sichere Rendite zu erhalten. Solange der Kreditnehmer nicht zahlungsunfähig wird stimmt das auch, denn der Kreditnehmer muss Kredite bedienen, solange er zahlungsfähig ist und auch im Konkursfall seine Gläubiger bevorzugt zu bedienen (Konkursordnung). Aus diesen Gründen ist (theoretisch) Fremdkapital weniger riskant als Eigenkapital. Wenn er aber darauf baut und erst bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens aus allen Wolken fällt, merkt er, dass Fremdkapital kaum weniger riskant ist, als Eigenkapital.

Ein weiterer Grund, warum Konkursquoten oft so niedrig sind, ist die Hoffnung vieler Konkurs-Gläubiger, dass sie besser wegkommen, wenn das Sanierungskonzept funktioniert:"Warum sollen wir eine Kuh, die noch Milch gibt schlachten?". Auf dem Papier sieht das auch meistens so aus. Das Problem vieler Sanierungskonzepte ist, dass das Umfeld, Kunden und Lieferanten, sehr vorsichtig werden und dass fähige und mobile Mitarbeiter das im Sinken begriffene Schiff verlassen, so dass mit dem demotivierten Rest die Sanierungsziele nicht mehr erreicht werden können.

Hohe Verschuldung kann zu hoher Rendite aber auch zu hohen Verlusten führen.
Wenn Verluste drohen, hofft der Investor sich auf Kosten der Kreditgeber zu sanieren.
Bei drohenden Verlusten gilt: Rette sich wer kann! und Den letzten beißen die Hunde!
Dennoch kommt Fremdkapital auch im ungünstigen Fall meist noch besser weg als Eigenkapital.

nach oben typische Risikostrategien


Finanzinstitute (z.B. Banken, Fonds, Schattenbanken) nutzen die Möglichkeiten der Diversifikation, indem sie auf ihrer Aktivseite diversifizieren und so versuchen, Risiken im Griff zu behalten. Auf der Passivseite nutzen sie den Leverage-Effekt, um ihre Eigenkapitalrendite zu erhöhen. Zu unterscheiden sind: Wenn die Kapitalanlagen der Aktivseite stärker erwartet miteinander korrelieren, bricht diese Risikostrategie zusammen. Dies passiert z.B. bei Vertrauens- und Kreditkrisen oder wenn Spekulationsblasen platzen. Dies veranlasste 1959 Wolfgang Stützel die Maximalbelastungstheorie aufzustellen, in der er forderte, dass die Bank jederzeit einem Run standhalten muss, insbesondere indem sie z.B. dafür genügend Eigenkapital zur Verfügung hat oder Liquidität beschaffen kann. Stresstests, die nicht nur von den Finanzinstituten selbst, sondern auch von der BaFin oder der EZB durchgeführt werden, untersuchen mit der Szenariotechnik in hypothetischen Worst-Case Situationen, wie gut die Finanazinstitution(en) hypothetischen Run Situationen standhalten können.

Die Europäischen Union versucht in der Neufassung der Capital Requirements Directive (CRD) mit den Vorschriften Basel III der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich dem zu entsprechen und verschärft die Sicherheitsauflagen. Sie verschärft so bereits etablierte Instrumente der Risikovorsorge. Neben Maßnahmen das Eigenkapital zur Abdeckung von Risiken zu erhöhen und einer Verschuldungsgrenze (Leverage Ratio) verlangt sie antizyklischer Eigenkapitalpuffer zur Reduzierung prozyklischer Effekte und bei systemrelevanten Banken dem Abbau systemischer Risiken der Vernetzung. Daneben werden für diese auch Maßnahmen zur kurz- und langfristigen Liquiditätsvorsorge gefordert. So sollen diese Anlagen höchster Qualität halten, die auch in Krisenzeiten verkäuflich sind oder von der Zentralbank als Sicherheiten akzeptiert werden. und zur Sicherung der langfristigen Liquidität über Finanzierungsquellen verfügen, die dem Fälligkeitsprofil ihre Forderungen entsprechen.

Während man versuchen kann, die Einzelrisiken durch Bonitätseinstufungen, Schulungen und organisatorischen Zuständigkeiten zu beschränken, ist die Kontrolle des Gesamt-Risikos für eine Bank nur durch Wahrnehmung des Risikomanagements auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene möglich. Diese Kontrolle ist um so schwieriger, je vielfältiger die Geschäftstätigkeit ist, weil es selbst auf Vorstandebene kaum möglich ist all die vielfältigen Gestaltungs- und Vertragsklauseln der Einzelgeschäfte zu kennen, geschweige denn zu verstehen und in ihren Wirkungen einzuschätzen.

Werden Renditen erwartet , die über dem Fremdkapitalzinssatz liegen, kann man mit dem
Leverage-Effekt (theoretisch beliebig) hohe Renditen erreichen.
In harten Krisen brechen diese Risikostrategien trotz Basel III zusammen.

nach oben Makler in Kapitalmärkten

Makler des Kapitalmarktes beraten Kapitalgeber und Kapitalnehmer und vermitteln Kapital. Ihr Geschäft basiert auf der Kenntnis der Möglichkeiten und vor allem auf Vertrauen. Je besser sie es verstehen, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten, desto erfolgreicher sind sie. Dazu transformieren sie: Banken sind darauf spezialisiert, Risiken zu erkennen. Auch wenn das ursprüngliche, in der USA praktizierte,Trennbankensystem mit strengerer Bankenaufsicht für comercial banks und lascheren für investment banks in der Praxis so nicht mehr anzutreffen ist, weil letztere auf ihren Sonderstatus verzichtet und sich zu Universalbanken weiter entwickelt haben. Auch wenn heute Banken alle Bankgeschäfte anbieten, sind noch unterschiedliche Spezialisierungen und Schwerpunkte erkennbar. Die im folgende Synopse beleuchtet zwei Schwerpunktfelder.

Auch Versicherungen operieren als Makler des Kapitalmarktes. Sie werden ebenfalls von der BAFIN beaufsichtigt, genau so wie Pensionsfonds als besondere Form von Lebensversicherungen. Neben dem weißen gibt es auch noch den grauen und den schwarzen Kapitalmarkt, der erlaubnispflichtige Geschäfte ohne Genehmigung der Regulierungsbehörde betreibt.


nach oben Kredit-Banken


Spezialisten von Kreditbanken analysieren permanent Bilanzen und sonstige Informationen, um rechtzeitig zu retten, was noch zu retten ist, bevor andere Gläubiger merken, was los ist. Sie können dann z.B rechtzeitig Kredite kündigen oder nicht mehr verlängern, Sicherheiten einfordern usw. Gegebenenfalls entsteht so ein Run, d.h. ein Wettlauf der Gläubiger, der um so heftiger ist, je deutlicher sich abzeichnet, dass die Pleite droht. Diejenigen, die als letzte mitbekommen, was da abläuft, müssen sich mit dem begnügen, was nach Konkurseröffnung übrig bleibt Die letzten beißen die Hunde!. Diesen Wettbewerbsvorteil der Banken nutzen Anleger, wenn sie ihr Geld nicht direkt an Kreditnehmer verleihen, sondern eine Bank dazwischen schalten. Sie investieren ihr Geld bei der Bank zu einem niedrigeren Zins und die Bank vergibt Kredite an Unternehmen - natürlich zu einem etwas höherem Zins. Diese Zinsspanne ist wesentlicher Teil des Gewinns der Bank.

Bank-Spezialisten prüfen u.a, ob ein Kreditnehmer Finanzierungsregeln einhält, z.B. ob er fristenkongruent finanziert ist, genug Eigengenkapital hat, um die Kredite im Verlustfall zurückzahlen zu können, usw. Daneben spielen auch andere Faktoren eine Rolle, z.B. die Fähigkeit des Unternehmens auf Veränderungen im Markt flexibel reagieren zu können. Auch spielt eine Rolle, wie der Kreditnehmer in der Vergangenheit Kredite zurückbezahlt hat (Liquidität folgt Bonität). Natürlich sind auch Banken Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit zu prüfen ist. Mit der Schichtenbilanz wurde die goldene Bankregel und die goldenen Finanzregel (=strikte Fristenkongruenz) aufgeweicht, da nach der Bodensatztheorie bei kurzfristigen Einlagen erfahrungsgemäß ein Bodensatz verbleibt, der langfristig investiert werden kann.

Kredit-Banken erzielen hohe Eigenkapital-Renditen durch den s.o.Leverage-Effekt, wenn/weil sie die durch Bündelung erzeugten Kapitalanlagen niedrigen Risikos der Aktivseite der Bilanz hoch beleihen und wenig Eigenkapital einsetzen - vorausgesetzt, das Bündel hat eine höhere Rendite als der Kreditzins, die Rendite-Erwartungswerte der Einzelanlagen liegen auf der Kapitalmarktlinie und sie und die Varianzen und Kovarianzen der Einzelanlagen des Bündels behalten ihre ursprünglichen Werte, so dass die Varianz des Bündels minimal bleibt. Soweit die Theorie.

Bankenkrise 2008: Wenn die Voraussetzungen für die hohen Renditen nicht konstant bleiben, wird diese Konstruktion fragil. Die Risiken der Einzelanlagen sind zudem in der Krise stärker korreliert als in ruhigeren Zeiten (Dominoeffekt). Dieser tritt ein, wenn Kredite auszufallen drohen, die zu Notverkäufe und Kreditkündigungen führen, die lawinenartig weitere Kreditkündigungen, Notverkäufe und Pleiten auslösen, weil Kreditgeber oder Käufer der Bündel auf die Bonität des Emittenten oder Labels der Rating Agenturen vertrauten und Risiken der Einzelanlagen nicht kannten oder selbst analysiert haben.

Die Praxis vieler Banken ist anders. Hohe Gewinne lassen sich am Markt nur mit riskanten Investitionen erreichen. Will die Bank erfolgreich sein und wachsen, nutzt sie den Leverage-Effekt und ihre Möglichkeit, Giralgeld quasi aus dem Nichts zu schaffen. Sie erwirbt Kredite und andere riskante Produkte, die mit kalkulierbaren Quoten fehlschlagen. Diese müssen dann abgeschrieben werden. In Zielvereinbarungen mit Niederlassungs-, Filial- und Zweigstellenleitern spielen diese eine Rolle. Die Geschäftsführung vereinbart also neben anderen Zielen Vorgaben für diese Abschreibungen - vielleicht in der Erwartung - dass die Vorgaben unterschritten werden. Aus Sicht des Filialleiters bedeutet ein Unterschreitung dieser erlaubten Abschreibungen, dass ihm diese Unterschreitung im folgenden Jahr als neues Ziel vorgegeben wird. Er wird sich also hüten, die erlaubte Vorgabe zu unterschreiten, lieber noch ein paar ganz riskante Kredite vergeben und so die Vorgabe erreichen.

Obwohl sich diese Banken und andere Unternehmen Spezialisten zur Prüfung der Kreditwürdigkeit leisten, nimmt das Management deren Empfehlungen oft gar nicht zur Kenntnis, sondern schlägt sie in den Wind. Es scheint so, als sei das Management, das über die Kreditvergabe entscheidet, derartig vom CAPM überzeugt ist, dass es ihnen gar nicht darauf ankommt, wie hoch die erwarteten Einzelrenditen und -risiken sind. Sie vertrauen auf die Stärke ihres Portfolios und darauf, dass dessen Risiken so diversifiziert sind, dass das Gesamtrisiko ohne weiteres getragen werden kann. Falls es unglückliche Zufälle wollen, dass das Portfolio aus dem Ruder läuft, kann das ja die Zentrale, die Sparer oder der Steuerzahler ausbügeln. Sorglosigkeit macht sich so bezahlt. Hohe Tantiemen werden eingestrichen. Man hofft, dass böse Überraschungen erst dann passieren, wenn das Management die Bank schon längst verlassen hat.

Rating Agenturen scheinen zudem die Arbeit der Spezialisten zu unterstützen und zum Teil überflüssig zu machen. Es mag attraktiv klingen, Informationsbeschaffungsaktivitäten an Rating Agenturen auszulagern, zumal dies kostengünstiger ist, als wenn jede Bank sich selbst die Informationen beschafft und auswertet. Viele Banken vertrauen diesen Ratings, auch weil dazu mehrere Rating Agenturen herangezogen werden. Dies ist dies - wie sich gezeigt hat - nicht ungefährlich. Banken, die darauf vertrauen, begeben sich des Wettbewerbsvorteils, Risiken früher als andere zu erkennen um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Banken ruinieren ihren Ruf, wenn sie ungeprüft Risiken eingehen, die sich schnell verändern.
Die Bankpraxis hat sich längst auf hohe Risiken gewöhnt und versucht sie zu kalkulieren.
Der wichtigste Wettbewerbsvorteil der Banken sind ihre Spezialisten, die Risiken früh erkennen
und so die Qualität der Aktivseite und das Image der Banken garantieren.

nach oben Investmentbanken


Während Kreditbanken nur ausnahmsweise - z.B. aus Konkursmassen - Eigenkapitalanteile z.B. Aktien besitzen, handeln Investmentbanken mit Aktien und verwalten Kundenvermögen. Sie sind auf eigene Rechnung oder im Auftrag von Kunden an Börsen tätig, handeln mit allem was dort oder in weniger reglementierten (OTC-) Märkten handelbar ist, betreuen Firmen beim Börsengang und unterstützen Firmen bei Geschäftstätigkeiten im Ausland z.B. mit Informationen, Kontakten, Devisentermingeschäften usw. Geschäftspartner von Investmentbanken sind neben Unternehmen, vermögende Private, vor allem andere Makler des Kapitalmarktes aber auch Regierungen und Zentralbanken. In Deutschland betreuen sie oft die internationalen Geschäfte für bestimmte Bankengruppen, z.B. Sparkassen oder Genossenschaftsbanken.
Investmentbanken sind in hoch spekulativen und volatilen Geschäftsfeldern tätig, in denen
nur echter - nicht etwa vermeintlicher - Wissensvorsprung dauerhafte Gewinnchancen bietet.
Ihre Kunden sollten das Wissen haben, die Risiken einzuschätzen, und Mut, die Risiken einzugehen.

nach oben Universalbanken


Universalbanken haben meistens noch bessere Informationen als andere Banken oder Rating Agenturen, weil sie in allen Geschäftsfeldern agieren und zusätzlich zu den üblichen Informationsquellen auch über Insiderwissen verfügen, das sich durch die vielfachen Verflechtungen mit ihren Kunden ergibt, etwa in dem ihre Führungskräfte in vielen Aufsichtsräten ihrer Kreditkunden fungieren usw. Diesen Wettbewerbsvorteil können sie z.B. nutzen, um möglichst früh aus riskant werdenden Engagements auszusteigen. Damit können sie vermeiden, als Letzte von den Hunden gebissen zu werden. Gebissen werden die, die nur die üblichen Informationen oder gar nur die Einschätzungen der Rating Agenturen auswerten. Oder sie können Informationen, die sie im Zuge der Kreditbearbeitung erhalten, nutzen um im Eigengeschäft Aktien zu kaufen oder abzustoßen,

Die Kehrseite dieser Gewinnchancen sind die Konflikte um das Bankgeheimnis. Empfiehlt die Bank etwa Ihre Kunden, bestimmte Aktien zu verkaufen, z.B. weil sie diesem Unternehmen Kredite verweigert oder aus anderen Quellen Informationen zu negativeren Geschäftsentwicklungen hat, z.B. aus Aufsichtsratsmandaten, schädigt sie dessen Ruf. Unterlässt sie diese Empfehlung, wird das Vertrauen ihrer Kunden, die diese Aktien gerade kaufen, enttäuscht, weil ihr Bankberater diese Informationen zwar hatte, sie aber sie nicht an den Kunden weitergegab und ihn so nicht richtig beraten hat. Der Kirch-Prozess wegen Verletzung des Bankgeheimnisses, in dem die Deutsche Bank einem Vergleich in Höhe von 800 Mio. € bezahlt hat, zeigt die Größenordnung dieser Problematik. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Je größer die Universalbank, desto mehr Möglichkeiten hat sie, Kurse, Zinsen oder andere Parameter zu manipulieren, um Gewinne zu erzielen. Sie gleichen darin Versicherungsbetrügern, die z.B. ein Haus mehrfach gegen Feuer versichern, es dann selbst anzünden um von den Versicherungen ein mehrfaches des Wertes des Hauses zu kassieren. So wurden Kunden z.B. durch Manipulation des Libor-Zinssatzes, an dem die Deutschen Bank führend beteiligt war, um ca. 9 Milliarden $ geschädigt. Ähnliches gilt für den Verkauf von CDS und anderen Finanzderivaten, obwohl Berater der Deutschen Bank intern längst wussten, dass sie damit fast wertlosen Schrott verkauften.

Die EZB publizierte die Ergebnisse eines Stresstests, bei der die Deutsche Bank und die Comersbank 2016 zu den schwächeren bzw. unsichereren Geldinstituten gehörten. Dies, obwohl die Deutsche Bank in ihrem Geschäftsbereicht ausführlich ihre internen Maßnahmen des Risikomanagements z.B.(auf S. 94) auf 4 Ausschüsse des Aufsichtsrates, 4 zentrale Comitees auf Vorstandsebene und vielen spezialisierten Untercomitees dargestellt hatte. Dort wurden auch eigene Szenarien entwickelt und mit Monte-Carlo Simulationen durchgerechnet, um die Risiken in den verschiedenen Geschäftsfeldern aufzuzeigen und plausibel zu machen, dass die Deutsche Bank Stressbeanspruchungen standhalten kann. Nur zeigt die Entwicklung des Aktienkurses der Deutschen Bank, der in den letzten 10 Jahren massiv eingebrochen ist, dass der Markt nicht mehr bereit ist, den auf vielen Seiten des Geschäftsberichts dargestellten Beteuerungen zu glauben.

Universalbanken balancieren mit dem Vertrauen ihrer Kunden auf des Messers Schneide.
Im Zweifel ist ihnen das Eigeninteresse wichtiger als die Kundenbeziehung.
Ihre Kunden sollten wissen, dass sie im Zweifel betrogen werden.

nach oben Versicherungen und sonstige Wetten


Versicherungen werden abgeschlossen um die negativen Folgen eines Ereignisses abzumildern. Wenn die Versicherten die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Ereignisses beeinflussen können, ist es für die Versicherungen wichtig, dass der Versicherte einen Teil des Risikos selbst trägt, da dieser bei Übersicherung profitiert, wenn er das Ereignis herbeiführt. Dies ist zwar ein Versicherungsbetrug, aber es ist für die Versicherung nicht immer einfach, dies nachzuweisen. Wenn der Versicherte z.B. 3 Versicherungsverträge abschließen könnte, von denen jeder einzelne etwa 80 % des Risikos absichert, würde ihm im Schadensfall aber 240 % des Schadens ausbezahlt werden. Er wäre übersichert und würde vom Schaden profitieren - ein starker Anreiz, den Schaden herbei zu führen . Noch häufiger wird Versicherungsbetrug durch falsche Angaben über das Ereignis (Verursacher, Art des Schadens, Schadenshöhe...) begangen. Versicherer versuchen dem in mannigfaltiger Weise zu begegnen und nicht mehr aufdeckbare Risiken in die Prämien einzukalkulieren.

Auch bei Bei Banken besteht dieses Risiko und hat zur Gründung der Schufa geführt, in der alle seriösen Kreditgeber die eingegangenen Kreditrisiken melden und Auskunft z,B, über die Höhe der Verschuldung erhalten können. Eine entsprechende Meldestelle für Versicherungen organisiert der Gesamtverband Deutscher Versicherer in seinem Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) und der Datenbank Uniwagnis.

Schadensereignisse, die bei Banken als Kreditausfall ein Ausnahmefall sein sollten, sind bei Versicherungen der Regelfall. Daher kommt es für Versicherungen sehr darauf an, dass die Einzelrisiken nicht zu hoch werden und vor allem, dass diese Risiken nicht miteinander korrelieren, da jede Häufung von Schadensfällen zu schweren finanziellen Einbußen führen. Daher werden bei höheren Risiken Teile davon an andere Versicherer oder Rückversicherer abgegeben. Diese federn Teile des verbleibenden Restrisikos ab.

Die Strategien der Versicherer:

Versicherungen haben ausgeklügelte Strategien um die Risiken zu begrenzen und abzufangen.
An diesem Vorbild kann sich die Regelung zu Risikobeherrschung im Kapitalmarkts B orientieren.

nach oben Immobilien-Märkte

Der größte Teil des Volksvermögens besteht aus Immobilien. Privaten Haushalten und Organisationen ohne Erwerbscharakter gehören ca. 53% ihres inländischen Vermögens in Bauten und Bauland, 44 % in Form als Geldvermögen und 1% als Gebrauchsvermögen. Der Rest sind landwirtschaftliche Flächen oder unbebaute Grundstücke. Bei Unternehmen dienen Immobilien der Bildung stiller Reserven. Sie werden bis auf den Erinnerungswert abgeschrieben. Bei einem Verkauf ist die Differenz zwischen Marktwert und Buchwert voll als Gewinn zu versteuern. Angesichts des Anteils des Immobilienvermögens am Gesamtvermögens ist die Bedeutung des Immobilienmarktes und des Handels mit Immobilien nahezu unbedeutend. Daher werden Immobilien nicht verkauft und das in Ihnen gebundene Kapital wird nicht freigesetzt um z.B. rentabler investiert zu werden. Grundstücke sind wenig fungibel, werden seltener gehandelt und es dauert oft lange, bis ein Verkäufer einen Käufer für sein Objekt findet, auch wenn er Makler mit dem Verkauf beauftragt. Kommt es zum Abschluss, muss neben der Grunderwerbssteuer die - je nach Bundesland - zwischen 3,5% und 6% des Immobilienwertes beträgt, auch noch der Makler und der Notar bezahlt werden. Wer also Kapital in in Immobilien anlegt, kann nur ausnahmsweise damit rechnen, dieses Kapital im Notfall in voller Höhe wieder zu erhalten - um schnell an Geld zu kommen und die Zeit zu überbrücken. bis sich ein Käufer findet, muss er Kredite aufnehmen.

Makler, Grunderwerbssteuern und Kredite sind teurer als ein Verkauf von Geldvermögen oder Wertpapieren. Daher sind Immobilien als Rücklage für Notsituationen wenig geeignet. Dies führt zu zwei Effekten:

Die vergleichsweise hohen Transaktionskosten verhindern nicht, dass mit Grundstücken spekuliert wird - derzeit vor allem in Großstädten und Stadtrandgebieten. Der Spekulant muss eben nur entsprechend länger warten, bis die Gewinnschwelle erreicht wird. Immobilien-Spekulationsblasen oder Zusammenbrüche der Immobilienpreise gibt es in vielen Regionen - sie werden mangels Markttransparenz oft nur nicht bemerkt. Dass sich hier eine Spekulationsblase bildet kann man mangels direkter Beobachtung auch an den Anteilen der Hypotheken am Kreditvolumen der Banken ablesen, Er stieg von ca. 33 % (1970) auf heute weit über 50 %.

Es gibt auch Möglichkeiten die Transaktionskosten bei Immobilien zu umgehen. Offene oder geschlossene Immobilienfonds sind Kapitalmarktprodukte, mit denen Anleger Anteile an Immobilien zu erwerben und handeln können. Es gibt auch Aktiengesellschaften, die vorwiegend in Immobilien investieren und Privatanlegern so Immobilienbeteiligungen per Aktienkauf ermöglichen. Ein wesentlicher Vorteil der Kapitalanlage in diesen Titeln ist, dass Vermögenserwerb und Weiterverkauf nicht der Grunderwerbssteuer unterliegt. Auch die Möglichkeit, eine so erworbene Immobilie selbst zu nutzen, kann erreicht werden, wenn der Verkäufer eine Gesellschaft (GmbH. GbR ...) gründet, und das Grundstück dort als Gründungskapital einbringt und der Käufer dann Anteile an dieser Gesellschaft erwirbt.

Intransparenz, Umgehung und Transaktionskosten sind die Gründe, dass das Steueraufkommen aus Immobilien nicht dem Anteil der Immobilien am Volkseinkommen entspricht.
Immobilien eignen sich daher schlecht als Kapitalreserve für persönliche Notlagen.

nach oben Zukünftige Entwicklung

Dass sich der Kapitalmarkt angesichts der technischem Möglichkeiten und politischen Umbrüche verändern wird, kann wohl niemand bestreiten. Schon heute ist der Druck des international Anlage suchenden Kapitals immens. Auch der Zahlungsverkehr ändert sich langsam aber stetig mit dem Aufkommen des Internets und der BITCOINS. Wer lässt sich heute noch von Bankberatern zu etwas überreden, wenn er sich darüber im Internet z.T. genauer und besser informieren kann. Was bleibt? Die Makler im Kapitalmarkt sind noch immer gefragt, wenn ungebildete und/oder risikoscheue Anleger eine sichere Anlage suchen. Dies betrifft vor allem für Berater das Kunden Segment der Sparkassen und Volksbanken zu, die damit noch für einige Zeit eine recht stabile Zukunft haben dürften.

Eine neue Möglichkeit könnte sich ergeben, wenn die Staatsbürgersteuer eingeführt wird und Banken als berechtigte Organisationen des Kapitalmrkts B Vermögen der Staatsbürger verwalten dürfen und ihnen dadurch zu Lebzeiten zu Steuerersparnissen verhelfen. Zwar müssen die Banken dann etliche Auflagen des Fiskus erfüllen, erreichen damit aber den Gütestempel Berechtigte Organisation werden seriöser und glaubwürdiger. Sie sind dann besser gegen Risiken geschützt.

Für Universalbanken ist die Zukunft im traditionellen Kapitalmarkt eher düster
Die Einführung der Staatsbürgersteuer würde ihnen neu Perspektiven ermöglichen.